unter einer Brücke, ein Mural dass vor sehr vielen Fahrrädern einen Bolzenschneider zeigt

München 2018

Positive-Propaganda

Wir haben zwei ausgiebige Spaziergänge in München gemacht, bei Schnee, Regen und Schneeregen. Im Rahmen der Ausstellung „International Dealmaker“ des Kunstvereins Positive-Propaganda e.V. entstanden einige neue Murals in München. Die Ausstellung zeigt gesellschaftskritische Arbeiten so namhafter Leute, wie Blu, Escif, NoNAME und Shepard Fairey. Die Ausstellung in den Räumlichkeiten an der Dachauer Str. 149 ist durchaus sehenswert und bis zum 4. März 2018 geöffnet. Es ist dort auch eine sehr interessante Arbeit von Mark Jenkins ausgestellt.

Der Eingang in die Ausstellung.

 

Shepard Fairey, Escif, NONAME, Cyrcle. und Ericailcane in München

Escif, aus Spanien stammend, sollen ihm, auf der Suche nach dem passenden Motiv für sein Mural, die vielen Blumen und Pflanzen in München aufgefallen sein. Es gibt da diese Geschichte, Escif habe einen Radweg zur KZ Gedenkstätte Dachau gesucht, und dabei seien ihm, auf einer Online-Karte im Internet, hundert Panzer aufgefallen, die auf einem Firmengelände standen. Es stellte sich heraus, dass das Gelände einem Rüstungshersteller gehörte. Außerdem habe er sich bei seinem Aufenthalt mit der sogenannten „Flüchtlingskrise“ in Deutschland befasst und die Bilder vom herzlichen Empfang der Flüchtenden durch die deutsche Bevölkerung, im Kopf gehabt. Er sah die Verbindung zwischen der Flucht der Menschen und den Rüstungsexporten Deutschlands. Viele der waffenexportierenden Firmen  sind in München ansässig. Dies soll ihn zu dem Entschluss geführt haben, diese überdimensional große Blumenvase unweit zum Münchner Hauptbahnhof, zu sprühen, „geschmückt“ mit Panzern, Kampfflugzeugen, Raketen und Handfeuerwaffen-„durch die Blume gesagt“. Quelle 

 

Der Amerikaner Shepard Fairey, aka Obey Giant, begann 1989 mit seiner Obey-Sticker Kampagne und wurde im Wahlkampf von Barack Obama 2008 durch sein Hope-Plakat weltberühmt. Seine Arbeit für „International Dealmaker“ in München, kritisiert 2015, im Gewand einer Werbung für schwarze Farbe, die Fokussierung der Politik auf Erdöl.  Quelle

 

Aryz, ein in Barcelona aufgewachsener Künstler, hat 2013 ein weiteres Mural in Deutschland hinterlassen. Im Rahmen des Kölner Cityleaks-Festivals entstand im gleichen Jahr, am Severinswall 54, eine Arbeit, die ich durch Zufall erst im letzten Jahr entdeckt habe. In München sollte eigentlich ein Mural in Kooperation mit Amnesty-International entstehen, bei dem es um den internationalen Waffenhandel ging. Vor Ort stellt Aryz jedoch fest, dass die ausgesuchte Wand direkt gegenüber einem  „Zufluchtsort“ für Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingsfamilien lag. Täglich spielen dort die Kinder und die Eltern sorgen sich im Alltag. Kurzerhand verwarf Aryz sein ursprüngliches Motiv und entschied sich für ein Bild, das Hoffnung und Zuversicht spenden sollte.

 

Ich möchte Kripoe, von CBS aus Berlin vorstellen. Kripoe war in Berlin schon vertreten, als Banksy, FAILE und Shepard Fairey dort erst begannen. In Kooperation mit Positive-Propaganda e.V. und Amnesty International entstand das Mural „Hände hoch für Waffenkontrolle“. Der Künstler ruft damit die Passanten auf, für eine gerechtere Welt ohne deutsche Rüstungsgüter, zu kämpfen. Quelle

 

Ericailcane setzte sich vor Beginn seiner Arbeit intensiv mit der Umgebung des Kunstwerks auseinander. In diesem Werk widmet sich der Künstler, dem im Hinterhof des Hauses lebenden Specht, ein sehr ausdrucksstarkes Portrait. Ähnlich wie mancher Mensch lebt der Specht am liebsten alleine in einer großzügigen Höhle, die er nicht mit anderen teilen möchte. In diesem Fall jedoch hat der Specht nicht mit dem Widerstand der Anwohner, den dort beheimateten Ameisen und Glühwürmchen, gerechnet, die sich gemeinsam gegen den Angreifer und seinen Hunger nach Nahrung und „Wohnraum“ wappnen. Quelle

 

Das Künstler-Duo Cyrcle. stammt aus Los Angeles und ist international gefragt. Mit Positive-Propaganda e.V. konnte das Projekt nach monatelanger Planung als die erste großformatige Arbeit Mitteleuropas, mit mehr aus 500 qm Fläche, umgesetzt werden. Es thematisiert die Problematik, das vielen Menschen trotz globaler Kommunikation, der Zugang zu Kunst und Kultur, verwehrt bleibt. Im Austausch mit den Anliegerinnen und Anliegern sollen die Künstler im ständigen Dialog gestanden haben, um ein persönliche Identifikation zwischen dem Kunstwerk und den Bewohnerinnen und Bewohnern, herzustellen. Quelle

 

NoNAME, ist ein politischer Aktivist, der wenig Wert auf seinen Namen legt und viele Arbeiten im öffentlichen Raum bewusst nicht signiert. Es gehe ihm um die Aussage an sich. Das Mural in der Westendstraße ist inspiriert von einer Streichholzschachtel mit der Aufschrift „Sturm“, die er dort gefunden haben soll. Es zeigt eine offene, halb abgebrannte Streichholzschachtel. Das 10 Meter hohe Mural widmet sich den Menschen des Stadtteils, „ihrer gesellschaftlichen Ausgrenzung und ihrem, oftmals unterschätzten Potential und Feuer“, wie der Künstler selber sagt. Quelle

 

Liqen, ist ein Künstler, der aus einer kleinen Stadt in Galicien/Spanien stammt. Ihm sei bereits bei seinem ersten Besuch in München der unbeschwerte Reichtum aufgefallen, der u.a. rund um das Szeneviertel am Gärtnerplatz, zelebriert wird. Dies steht im starken Kontrast zu großer Armut und Not, die in der Welt herrscht und auch in Deutschland und in München. Feiert die Partygesellschaft des Nachts, kreisen die Flaschensammler danach durchs Viertel und die Stadtreinigung säubert am nächsten Morgen vom Müll. Liqen möchte auf diese Dekadenz aufmerksam machen und unseren Blick auf diese wichtigen Themen leiten-z.B. wenn wir gerade an der Bushaltestelle stehen. Quelle

 

Weitere Street Art

Auf dem Gelände des Kreativquartiers an der Dachauer Straße, gibt es weitere Arbeiten, die z.T. in Zusammenarbeit mit Positive-Propaganda e.V. entstanden sind.

 Tona

Wie wunderbar! Tona hat 2015 die lange Wand an der Glockenbachwerkstatt wunderschön mit seinen Stencils bestückt. Der Hintergrund ist leuchtend grün-da kommt Freude auf.

Street Art unter der Donnersbergerbrücke

Seit 2011 ist das Gelände an der Donnersbergerbrücke eine große Street Art Galerie. Hier wurde mit Unterstützung des Baureferates München, die Grundierung und Farbe stellte, und in Kooperationen mit verschiedenen Organisationen, gesprüht und gemalt, nach Lust und Laune. Diverse lokale Künstler haben sich hier verewigt (bis einer kommt und drüber malt) und viele der Arbeiten existieren schon seit Jahren. Wenn man aufpasst wo man hintritt und auf Mundatmung umschaltet, finden sich ein paar nette pieces, u.a. auch von Rafael Gerlach, aka SatOne.

Titel: SatOne unter der Donnersbergerbrücke 48°8’34“ N 11°32’5″ E

 

2 Gedanken zu “München 2018

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